06
Feb
2012
Rezension: Human Planet – Leben mit den Extremen der Natur
Extreme der Natur findet man überall auf der Welt. Ebenso Menschen, die sich diesen oftmals lebensfeindlichen Regionen bestens angepasst haben. „Human Planet“ – das Buch zur BBC-Earth-Dokumentation – stellt diese Menschen in unnachahmlicher Weise vor, und zeigt dem Leser Völker und Kulturen, die sich unter unwirtlichen Lebensumständen tagtäglich behaupten und die die Natur auf ihre ganz eigene Weise nutzen und respektieren.
Nachdem ich diesen Bildband das erste Mal in der Hand hielt und ein wenig darin blätterte, wusste ich, den muss ich unbedingt haben. Hier haben Autoren und Verlag wirklich etwas Großartiges geleistet. Nicht nur, dass er im schönen handlichen und vorallem lesefreundlichen Format von circa 25 x 26 cm daherkommt, er besticht auch durch ein klares aber angenehmes Layout im Innenteil, dass viele großformatige Fotos zulässt. Manchmal jedoch sind gerate des Layouts wegen einige Abbildungen etwas klein geraten, was jedoch die Fülle an tollen, ausdrucksstarken Bildern wieder wettmacht.
„Human Planet“ zeigt Menschen und Natur in acht verschiedene Habitate gegliedert: Grasland, Ozeane, Flüsse, Dschungel, Wüsten, Arktis, Berge und Stadtlandschaften. Auf jeweils circa 30 Seiten lesen wir von eindrucksvollen Naturschauspielen und ungewöhnlichen Bräuchen im entsprechenden Lebensraum. Und schnell wird klar, dass dieses Buch nicht nur wundervolle Bilder, sondern auch informative und spannende Texte zu bieten hat, die einen richtig in den Bann ziehen. Die Autoren Dale Templar und Brian Leith zeigen uns anhand einzelner Menschen und ihren Familien, was wir auf der ganzen Welt täglich leisten und welchen ungünstigen Lebensbedingungen wir uns im Lauf der Jahrhunderte angepasst haben. Dabei ist es wirklich erstaunlich wie wir es schaffen, unter den unwirtlichsten Umständen zu überleben und ganz eigene Sitten und Rituale erlernt haben.
Da lesen wir von ganzen Sippen in Westpapua, die ihre Häuser in 30-40 Meter hohen Bäumen errichten, von besonderen Jagdtechniken verschiedener indigener Völker in Afrika und von ungewöhnlichen – für uns Europäer fast undenkbaren – Speisen der Menschen im Dschungel bei Venezuela; von Honigsammlern im Kongo, die in 40 Meter hohe Baumriesen – fast ohne jedes Hilfsmittel – klettern, von Seezigeunern auf Borneo, die gänzlich auf dem Ozean leben und viele, viele weitere lesenswerte und überraschende Berichte über beeindruckende Menschen und Lebensweisen.

Evelyne Binsack hat das getan, was vorher – in unserer heutigen Zeit – wohl noch niemand geschafft hat: Sie ist per Fahrrad und zu Fuß in 484 Tagen um die halbe Welt gereist. Zu Anfang stand ein Ziel: Antarctica ohne Hilfe bis zum Südpol zu durchqueren. Start dieser Expedition sollte der äußerste Süden Südamerikas sein. Und bis dorthin fliegen? So einfach wollte es sich die Extremsportlerin dann doch nicht machen. Nein, sie wollte aus eigener Kraft Punta Arenas im Süden Chiles erreichen. Dies bedeutete knapp 24.000 km auf dem Fahrrad zurückzulegen, eine Mammutstrecke, noch vor den härtesten und denkbar unwirtlichsten letzten knapp 1.200 km durch das Eis der Antarktis. An der Grenze ihre körperlichen und seelischen Leistungskraft, nicht zuletzt auch an der Grenze zum Tod, hat Evelyne Binsack dieses Ziel schließlich erreicht.
Was passiert zu welcher Tageszeit in unserem Körper, und warum? Die Autorin schildert viele verschiedene Vorgänge unseres Körpers über den Tag verteilt und erklärt anschaulich, warum uns bestimmte Aufgaben zu bestimmten Tageszeiten leichter fallen, wie verschiedene Prozesse im Körper gesteuert werden und lässt uns staunen über das Wunderwerk Mensch. Das Gelesene lässt uns den eigenen Körper besser verstehen: warum z.B. diese bleierne Müdigkeit nach dem Mittagessen jeden von uns heimsucht, was beim Kauen alles vor sich geht, weshalb so viele Bakterien in uns eine so wichtige Rolle spielen, warum das sprichwörtlich gemeinte „drüber schlafen“ gar nicht mal nur eine Redewendung ist…




